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Geschichtliches

Eine kleine Chronik über Peißenberg

Ca. 1500 v. Chr. letzte Spuren von Grabhügeln aus der Bronzezeit.

Ca. 270 n. Chr. Funde von römischen Münzen aus jener Zeit, wie auch Errichtung einer Beobachtungsstation, einer "hohen Warte" (Bauernhofname: Hohenwarter"), durch die Römer etwa zur genannten Zeit.

7. - 8. Jahrhundert Funde von Reihengräbern ("Merowinger-Gräber") aus der genannten Zeit um etwa 1940/50, u.a. mit Grabbeigaben (ein Langsax und zwei Messer).

Um 1050 erste schriftliche Erwähnung Peißenbergs als "Pisenperc" in einem Güterverzeichnis des Mönches Gottschalk ("Breviarium Gottscalcj") vom Kloster Benediktbeuern, durch welches sich der Abt einen Überblick von den durch die Ungarneinfälle des 10. Jahrhunderts verlustig gegangenen Besitzungen des Klosters verschaffen wollte.

Im frühen 11. Jahrhundert soll die Burg "St. Jais" erbaut worden sein (so später benannt nach der ehemaligen Kapelle "St. Jais" bzw. "St. Jos"; eine umgangssprachlich verformte Bezeichnung des damaligen Kapellenpatrons St. Jodokus). Der heute noch bestehende Flurname "An der Burg" und die Straßenbezeichnung "Burgweg" deuten daraufhin.

Etwa Mitte des 12. Jahrhunderts wird die Burg zu "St. Georg" erbaut worden sein, nachmals so benannt nach dem ebenfalls um diese Zeit gebauten und nach dem Kapellenpatron benannten Gotteshaus, neben dem Burggraben das letzte Relikt dieser später zerstörten Burg. "St. Georg" wird heute noch als Flur- und Ortsteilname gebraucht. 1388 geschah die Zerstörung der damals im Besitz der "Grafen von Seefeld und Peißenberg" gestandenen beiden Burgen zu "St. Jais" und zu "St. Georg" auf herzoglichen Befehl.

Um 1400 kam aus Augsburg oder auch vom Münchener Herzoghaus ein Maler zu dieser noch romanischen Georgskapelle und schuf dort den weithin bekannten spätgotischen Fresken-Zyklus nach einer seltenen Fassung der Georgslegende aus dem 9. Jahrhundert, die aber auf eine noch ältere Legendenform in griechischer Sprache vom 5. Jahrhundert zurückgreift.

Bis 1537 gelangte nach Absterben der ehemaligen Burgbesitzer, der "Grafen von Seefeld und Peißenberg", allmählich das ganze Peißenberger Gebiet an den Bayernherzog Wilhelm IV.

1565 geschah die Übergabe der Pfarrei Peißenberg, und damit des Patronatsrechts, an das Kloster Polling durch Herzog Albrecht den Großmütigen (bis zur Säkularisation 1803).

Um 1580 soll jenes denkwürdige Ereignis geschehen sein, dass ein Bauernbub namens Christoph Lenker die am "Hohen Peißenberg" zu Tage tretenden Kohlenflöze entdeckte, als er beim Viehhüten ein Feuer machte und dabei der Boden darunter zu rauchen und zu brennen anfing. Durch dieses Vorkommnis wurde eigentlich die zukünftige Entwicklung des Kohlebergbaus "eingeläutet".

1734 vollendete der Wessobrunner Baumeister Joseph Schmuzer eine neue "Aichkirche" (nach Abbruch des ersten Baus von 1631), nachdem wegen der vielen Wallfahrer zu einer wundertätigen spätgotischen Muttergottesfigur der Vorgängerbau zu klein geworden war. Die Deckengemälde in dieser Rokoko-Kirche schuf der berühmte einheimische Maler Matthäus Günther. Um 1870 kam das ehemalige "Heilbad Sulz" zu höchster Blüte. Quellen am Fuße des "Hohen Peißenberg" enthielten nämlich stark eisenhaltiges Schwefelwasser, das Kurgäste aus dem In- und Ausland anzog, so auch den Maler Carl Spitzweg. 1837 hatte noch in Hohenpeißenberg der staatliche Bergbau begonnen, der sich 1869 mit der Eröffnung des "Tiefstollens" unten in Peißenberg etablierte (dort seit 1984 ein Bergbau-Museum, mit einer in den restaurierten "Tiefstollen-Hallen" im Jahre 2004 eröffneten Abteilung für Großobjekte).

1866: Am 01.02. Eröffnung der Bahnlinie Tutzing - Weilheim - Unterpeißenberg (bis zur so genannten "Alten Bahn", heute noch Bahnhaltestelle "Peißenberg-Nord" und Ortsteilname).

1880 Verlängerung der Bahnstrecke bis zum heutigen "Bahnhof Peißenberg" (früher Peißenberg Sulz).

1915 Beginn der Kohleförderung am Hauptschacht (später "Zieglmeier-Schacht" genannt) und damit auch das stetige Anwachsen der Siedlungstätigkeit im südlichen Ortsteil, die dann nach Beendigung des 2. Weltkriegs sprunghaft anstieg.

1917 Am 11.01. wurde die Bahnlinie weiter nach Schongau in Betrieb genommen.

1970 ff Beginn der Umstrukturierung durch Ansiedlung größerer neuer Industriebetriebe aufgrund des Stilllegungsbeschlusses des Bergwerksbetreibers (BHS) aus dem Jahre 1969. 1971 Bergwerksschließung erfolgt durch den Wandel am Energie-Markt (sehr billiges Heizöl). Bereits 1919 war die Aufstufung des bisherigen Dorfes "Unterpeißenberg" zur "Marktgemeinde Peißenberg" vollzogen worden.(mit Wappenverleihung) 1978 Teileingemeindung der ehemals selbständigen Gemeinde Ammerhöfe. Dadurch Verdoppelung der Gemeindefläche auf rd. 32 qkm und Einwohnerzunahme von rd. 10.000 auf 10.500.

2002: Am 07.08. wurde der Spatenstich zur Ortsumgehung vorgenommen. 

2008: Am 11.12. wird die Umgehungsstraße "in Betrieb" genommen. Die Freude darüber ist groß. Der unerträgliche Durchgangsverkehr (weit mehr als 20.000 Fahrzeuge pro Tag) wird sich dadurch halbieren. Für die Anwohner der betroffenen Straßen beginnt ein neues Zeitalter.

Schriftum: Biller, Max: Peißenberger Heimat-Lexikon, Peißenberg 1984 

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